LE(n)A in Paris

 
05November
2013

Manchmal gibt es Wichtigeres als Vorlesungen - und dann ist es zudem lehrreicher

Es gibt so Tage da hat man einfach keine Lust auf Theorie, aber auf Inhalt. Heute habe ich die trockene Jura-Vorlesung zur Verfassung sausen lassen und mir stattdessen eine Stunde Politik live gegönnt. Soll heißen dass ich mit anderen SPDlern in Paris zusammen  die Assemblée Nationale besucht, das Parlament Frankreichs. Da gab es eine schöne Fragestunde an die Minister. Wer jetzt den Bundestag kennt und denkt joa, ein paar schöne Reden und das wars - FALSCH. Wer die Sitzungen in Westminster Abbey in London kennt - RICHTIG. Im Gegensatz zum Reichstag sieht es auch innen wie in einem Schloss aus, ironischerweise vorallem in in Schwarz-Rot-Gold ( --> Holz, Verzierungen, Samtsessel und Teppich). Und die Abgeordneten sitzen zwar auch in einem Halbkreis, es findet dort aber wirklich Kommunikation statt.

Die Assemblée Nationale von außen Zum Vergleich: Als ich im Bundestag war und da die nicht ganz unbedeutende Haushaltsdebatte abgehalten wurde haben mehrere Leute längere Reden gehalten die nicht sehr aufeinander bezogen waren. Die anderen Franktionen haben nicht mal zugehört sondern - Beispiel Frau Merkel - von ihren technologischen Geräten gebrauch gemacht oder mit anderen gequatscht, gerne auch mit solchen zu denen man erst einmal hingehen musste. Bei dem Mangel an Interaktion wunder ich mich nicht mehr das selten alle Abgeordneten da sind, zudem Entscheidungen eh eher getroffen werden.

Anders die Fragestunde in Frankreich: Jemand steht auf und geht zu einem der vielen Mikrofone die zwischen den Sitzreihen sind. Dann stellt er eine Frage und konkretisiert diese in maximal zwei Minuten. Direkt danach antwortet der angesprochene Minister in der gleichen Zeit. Die Uhr zählt dabei gut sichtbar runter. Und der Rest der Abgeordneten HÖRT TATSÄCHLICH ZU! Und applaudiert, lacht, buht, ruft dazwischen. So sehr, dass der Vorsitzende öfters mal zur Ruhe rufen musste mit seinem großen Hammer und der goldenen Glocke. Und generell war da eine richtige Leidenschaft für Politik zu spüren.

Der Inhalt der Fragen war sehr gemischt auch wenn fast Redner jeder zu Beginn an die kürzlich in Mali ermordeten Journalisten erinnert hat. Deswegen gab es am Anfang auch eine Schweigeminute. Viele haben die wichtige Rolle des Journalismus als vierte Gewalt und Garant einer Demokratie betont. Überhaupt wurden oft die Werte der République Francaise hervorgehoben was auch gut zum Gebäude passt. Ich würde jetzt ja gerne Fotos zeigen, aber die sind da echt streng. Man musste alles bis auf den Ausweis und die Eintrittskarte (auf der Name und Adresse vermerkt war) abgeben, durfte während der Sitzung weder aufstehen, reden noch irgendwie Zustimmung oder Ablehnung deutlich machen. Aber die Assemblée Nationale sieht innen fast so aus wie der Senat, wenn nicht noch prunkvoller und das Bild habe ich ja schon hochgeladen. Wie gesagt, goldene Säulen, dunkles Holz und rote Plüschbänke. Und über allem in Großbuchstaben Égalité, Fraternité, Liberté.

Vor dem Sitzungssaal waren zudem Männer und Frauen der Gendarmerie in Galauniform mit Schwert, die kurz vorher mit großem TamTam hineinmaschiert sind und dann die Abgeordneten in den Sitzungraum geleitet haben. So schön mit Trommelwirbel.

Die Gendarmerie vor dem Einzug in die Assemblée Nationale

Viel Zeit war aber auch an diesem Tag nicht, abends hat wieder die Bibliothek gerufen. Und da bin ich echt dankbar dass die nur 100 Meter neben meinem Wohnhaus ist. So ein Campus ist echt eine feine Sache.

Diese Woche schreiben wir die erste richtige Klausur in Civilisation Anglaise (dem Anfängerkurs in Englischer Kultur) und danach haben wir Civilisation Americaine bei Mr. Buckwhaler, einem Amerikaner. D.h. ich hoffe dass man da dann mehr lernen kann als bisher und wir schön den Shutdown auseinandernehmen. Doch zuerst ruft Queen Elisabeth II zur examination.

Von daher: See you later ;)

04November
2013

Wieso ist denn schon November???

Ok, es ist wahrlich keine Neuigkeit. Aber die Zeit vergeht echt verdammt schnell (außer in so mancher Vorlesung ;)). Kaum ist man eingezogen ist auch schon der zweite Monat in Paris um. Viel passiert und doch eigentlich nicht all zu viel. Das eine ist das Studium, für das man dann doch so einiges tun muss. Und die ersten Klausuren gibt es auch schon, bzw. kleine Tests und abzugebende Hausarbeiten (im Sinne der HA in der Schule, wissenschaftlich arbeiten tun die Studenten hier irgendwie nicht). Und da ist man dann für jedes bisschen Freizeit dankbar. Vorallem weil es hier immer etwas zu entdecken gibt. Erst mal so generell: Paris bei Nacht ist wunderschön, wirklich die Stadt der Lichter.

Paris bei Nacht - alles leuchtet

Mal angefangen am Anfang des Monats. Da gab es die nuit blanche, also die weiße Nacht, in der überall in der Stadt künstlerische Exponate ausgestellt waren, z.T. richtig große Installationen. So war der Place de la Republique voller Nebel, in einem Innenhof war ein Märchenwald aus Lichterbäumen, eine Wand war voller Zeichnungen mit gemalten und echten "Smartphones" (in den echten waren weitere Zeichnungen zu sehen). In einem Hof lasen lauter Stimmen die droit de l'homme et du citoyen vor (d.h. die Erklärung der Menschenrechte), im Innenhof des jüdischen Museums sah man bei Livemusik Bilder des Alltags einer jüdischen Siedlung in Osteuropa vor deren Zerstörung.

Place de la République im Nebel Die gezeichnete Smartphone-WandEin Innenhof voller Bäume aus LichtLichterwald im Innenhof 

Das war eine wirklich schöne und wie immer lange Nacht. Denn wenn wir hier abends weggehen dann bis in den frühen Morgen. Man muss das Wochenende ja nutzen. Bzw. das lange Wochenende. Denn im Gegensatz zu Sachsen-Anhalt gibt es in Frankreich Allerheiligen und wir konnten zu einer Halloween-Party. Nun hatten wir natürlich alle keine richtigen Gruselkostüme dabei. Aber den Rabatt gibt es auch bei irgendeiner Verkleidung. Daher bin ich in meinem roten Sari losgezogen, welcher irgendwann von Teufelhörnern komplettiert wurde. Es scheint ganz gut ausgesehen zu haben, wie so oft musste man den Franzosen sehr deutlich machen, dass man doch wirklich VRAIMENT nicht auf ihre Avancen eingehen wollte. Non ist nicht so ganz in deren Wortschatz vorhanden.Weitere Lektion der Nacht: Versuche niemals auf ein Party-Boot zu kommen wenn hunderte andere dies auch versuchen. Dass es in diesem Gedränge à la Popkonzert nicht zu einer Massenpanik kam ist echt erstaunlich.

Im Gegensatz zur Uni gibt es an der Schule Herbstferien und daher war ich diesen Monat nicht das einzige Familienmitglied in Paris. Hannah ist zu Besuch gewesen und wir haben eine schöne Tour vom Louvre zum Arc de Triomph gemacht sowie die Galeries La Fayette unsicher gemacht. Ok, wir haben es versucht. Aber da sich weder meine Cousine noch ich ein Kleid von über 2000 € leisten können ist das einzige was wir mitnehmen konnten Fotos von der Kuppeldecke. Auch sehr schön ;)

So was nennt sich Einkaufszentrum... ... und das über 5 Etagen

Und wenn man freitags schön feiert kann man sonntags die kulturelle Seite von Paris entdecken. Die gute Nachricht: ist man unter 25 und kommt aus der EU ist so fast alles kostenlos, also auch das Louvre. Dementsprechend haben Sonja (eine andere Studentin aus meinem Wohnheim die ebenfalls aus Halle kommt) und ich es uns gespart alles an einem Tag sehen zu wollen und stattdessen nur die Einführungstour gemacht. Und die allein war einfach nur toll. Angefangen mit den alten Schlossmauern unter der Erde bis hin zu La Jaconde (für euch Deutsche die Mona Lisa). Und auch außen ist der Palais du Louvre echt toll, die Pyramide mit den Wasserspielen sieht einfach nur toll aus. Und auch denn Nullmeridian, die "Rosenlinie" habe ich gefunden (auch wenn der Name eine Erfindung von Dan Brown ist, aber zumindest gibt es die ARAGO-Linie. Der Eingang des Louvre Der Stein der ARAGO-Linie La Jaconde et moi ;)

Danach ging es noch auf den Triumpfbogen und ich bin ja so froh, dass es bei diesem Kreisverkehr eine Unterführung gibt. Doch das Treppensteigen wird duch die tolle Aussicht belohnt. Zwar hat man von Sacre-Coeur aus mehr im Blick, aber oben auf dem Bogen hat man das Gefühl dass man nur die Hand ausstrecken muss um den Eiffelturm zu berühen. Das Monument selbst ist richtig filigran gestaltet und mit lauter Namen von Stätten versehen. Auch Halle ist dabei ;) Da haben wir uns richtig gefreut.

L'Arc de Triomphe

Und Halle ist auch dabeiDer Eiffelturm zum Greifen nah

Wirklich verrückt ist dass trotz dieser typischen Touristenattraktionen von Paris und ständigem Französischsprechen ich mich immer noch nicht wie in Frankreich fühle. Wahrschienlich habe ich erwartet dass man wie im Urlaub sich zwar wohl fühlt aber trotzdem nur zu Besuch und die kulturellen Unterschiede sich bemerkbar machen. Und dass ist echt anders. Alles ist so normal. Man geht zur Uni, trifft Freunde, macht Touren durch die Stadt... Aber ein anderes Land? Nicht wirklich. Zumindest für mich, andere in meinem Französischkurs haben sehr viel mehr Probleme. Das liegt vielleicht an einer anderen (Erwartungs-)Haltung, für die beiden ist alles das anderes ist als in Deutschland fremd und vor allem blöd, bescheuert und unglaublich. Tja, wenn man etwas anderes richtig annimmt dann ist es nicht mehr fremd. So langsam nerven im Übrigen diese ganzen Touristen ;). Jaja, den Metroplan zu lesen ist schon schwer, vor allem wenn wie letztens eine Bahnstrecke gesperrt ist. Während alle Pariser sich einfach in die andere Metro oder den Bus quetschen ist für alle die die Durchsagen und Bahnmitarbeiter weder auf französisch noch auf englisch verstehen können (letzteres ist ja echt schon luxus) leider der Zug NICHT abgefahren. Schade aber auch, mais c'est la vie. Mit meiner neuen Jahreskarte bin ich dagegen entgültig in der Gruppe derer angekommen die den schnellen Eingang in das Metro-System nehmen können und nicht mit Papierschnipseln herumhantieren.

Es ist echt schön hier - und trotzdem freue ich mich tierisch auf Weihnachten. Seit ich den Flug gebucht habe und mir aufgefallen ist dass ich schon mehr Wochen hier bin als bis ich fliege wächst die Vorfreude auf meinen Freund, meine Familie, ungechlortes Wasser, die Spülmaschine... Ok, auf letztere freue ich mich jedes mal seit ich ausgezogen bin ;) Aber bis dahin genieße ich diese tolle Stadt.

Grosses bises!

01Oktober
2013

Und los gehts - na ja, ein bisschen zumindest...

Das wars. Ende der Ferien und der Eingewöhnungszeit. Ab Montag ist wieder Schule - ähhh, Uni. Man hat es ja schon immer Mal gehört und es doch nicht so ganz geglaubt aber das Studium in Frankreich ist doch ziemlich verschult. Und so gibt es nach den ersten zwei Tagen auch schon eine ganze Menge an Hausaufgaben (wie ich sie doch vermisst hatte... nicht!) Die Kurse selbst waren alle ganz super - wenn man sie mal gefunden hatte.

Letzte Woche war es doch tatsächlich gelungen, eine Art Stundenplan zusammenzustellen und komischerweise war das am Ende schwieriger als die allseits angedrohte Inscription pedagogique, d.h. die Einschreibung in die Kurse. Da dachte man nun man hätte alle Kurse gefunden doch natürlich passte da so einiges hinten und vorne nicht, vor allem die Raumangaben.

Zuerst einmal kommen hier alle zuspät. Nein, nicht generell aber in der ersten Woche ist das wohl normal das kein Kurs pünklich anfangen kann. Ist aber kein Problem, dann kann man wenigstens schon mal mit "echten" französischen Studenten in Kontakt kommen. Zum Beispiel in journalistischer Übersetzung, wo all die armen Franzosen sich gerade richtig ins Zeug legen müssen. Denn in ein paar Wochen entscheidet sich, wer von ihnen mit uns nächstes Jahr nach Halle mitkommt, sozusagen der Rücktausch innerhalb des binationalen Studienganges.

Und dann muss ich erstmal ein paar Vorurteile abbauen. Ja, die Franzosen können Fremdsprachen lernen auch wenn sie dabei Vorletzte in Europa sind. Zum Beispiel die Madame Dejeumont, bei der nur ganz selten ein Minibisschen Französisch durchkommt, ansonsten ist ihr Deutsch perfekt. Wenn sie dann für die Übersetzung relevante deutsche Grammatik erklärt ist das schon ziemlich merkwürdig. Mir war noch nie aufgefallen dass "heißt es in ..." ein fester Baustein ist so wie il y a oder il faut im französischen.

Die Englischlehrerein dagegen kommt aus England und ist allein deswegen schon super. Denn während des Schüleraustausches in Rouen am Lycée habe ich erlebt dass es auch Lehrkräfte mit einem Niveau von einem Grundkurs in Deutschland gibt. Noch schlimmer ist da nur Spanien. Nur mal zum Vergleich den sprachlichen Werdegang einer Englischlehrerin im Vergleich: In Deutschland braucht man C1 zu Beginn des Lehramtsstudiums, in Spanien schließt man es mit B2 ab (A2-Anfänger bis C2-fast wie Muttersprachler). Und Frankreich liegt so dazwischen. Doch da die Ms Mellor aus England kommt ist das alles kein Problem.

So langsam legt sich der Sprachenmix und meine Angst, dass ich nach so viel Französisch kein richtiges Englisch mehr sprechen könnte ist unbegründet gewesen. Das Französische wird auch immer besser. Heute hatten wir zweimal Jura und da hat sich schon ein großer Unterschied gezeigt. Beim zweiten Mal hatte ich weniger Kopfschmerzen und habe sehr viel mehr verstanden. Gut, im Moment fangen wir hier bei Adam und Eva an (Was ist eine Regel, was ist Recht?) was in Halle schon längst abgehakt war aber so ist das halt eher eine Übungsstunde in französischen Rechtsvokabeln.

Und das nennt sich dann Schatz, denn eine Schatzsuche war es heute wirklich. Man soll ja nicht meinen, dass Portiers, Sekretäriate, Fachkoordinatoren oder auch nur irgendwer auch nur verlässlich wusste, wer für was zuständig ist. Geschweige denn, in welchen Raum denn jetzt dieser eine Kurs stattfindet. Unsere Suche führte uns jeweils durch mehrere Gebäude und natürlich mussten wir immer bis fast nach ganz oben laufen. Ja, es gibt tatsächlich Aufzüge in Nanterre, doch diese sind nur für Personal und z.B. Rollstuhlfahrer. Insgesamt kann man echt sagen: Dieser wunderschöne Campus macht Sport überflüssig.

Ja, der Sport... Ich liebe dieses Campusleben wirklich, alles ist direkt nebeneinander. Da darf ich jetzt montags um halb 12 aufstehen, ein bisschen Schwimmen und Fitnesskurse im Wasser machen um dann wieder schnell in mein Zimmer zu verschwinden bevor es um 2 zum ersten Kurs der Woche geht. Und mit der Jahreskarte darf man jede Woche etwas anderes ausprobieren, auch so schöne Sache wie Klettern, Tauchen oder Bogenschießen.

Im übrigen habe ich endlich mein französisches Bankkonto und kann damit Teil zwei der Administrative in Angriff nehmen. Wenn mir dafür zwischen den Sachen für die Uni noch Zeit bleibt. Denn jetzt rufen erstmal die ersten Übersetzungen in das französische, so schöne Sachen wie "deutsches Eherecht im Wandel der Zeiten". Man gönnt sich ja sonst nichts.

Liebe Grüße ins Nachbarland der langen Semesterferien.

23Sept
2013

Wahlen, Wahlen, Wahlen - gibt es wirklich eine Wahl???

Der Tag nach den Wahlen, und doch stecke ich noch mitten drin. Also nicht bezüglich des Bundestages auch wenn mich Ana gerne mal "ma petite Merkel" nennt. Ist aber mehr als Scherz gedacht, sie weiß genau dass ich auf der anderen Seite der Farbparlette zu finden bin. Da haben meine Parodien letzte Woche bleibenden Eindruck hinterlassen Lachend.

Natürlich habe auch ich die Wahlen verfolgt, bin froh, dass es Karamba Diaby aus Halle in den Bundestag geschafft hat auch wenn ansonsten das Ergebnis nicht zufriedenstellend ist. Bei einem muss ich sowohl meinem lieben Freund in Halle als auch meinem Vater Recht geben: Eine absolute Mehrheit für Merkel wäre gar nicht so schlecht. Dann stünde Sie allein unter Zugzwang und keine andere Partei hätte unter ihr zu leiden. Jetzt aber bin ich echt gespannt auf die Koalitionsverhandlungen, bei Facebook gibt es schon die erste Petition für Rot-Rot-Grün. Sicherheit vs. Risiko, Regierungsanhang oder Regierungsführung - oder gar nichts? Nein, die SPD steht da vor keiner einfachen Entscheidung.

Ich selbst habe die Wahl in einem deutschen Café in Paris gesehen mit vielen anderen Deutschen. Dort war alles à la Oktoberfest geschmückt (allerdings im Gegensatz zu Amerika nur zu dieser Jahreszeit). Und da bin ich gerade mal 2 Wochen weg, da kommen mir deutsches Bier, deutsches Essen und deutsches Fernsehen schon wie der totale Luxus vor. Verrückte Welt!

Wahlabend im Café Titon - Oktoberfest inklusive

Jetzt aber zu den "Wahlen" an der Uni. Es gilt, bei freier Wahl der Route im Wettlauf mit Bürozeiten den administrativen Hürden- und Dokumentestaffellauf zu bewältigen. Ziel: Ein Stundenplan, der komplett ist und bei dem man für alle Kurse wirklich eingeschrieben ist.

Alle die in Deutschland studiert haben: Vergesst solchen neumodischen Krams wie "Vorlesungsverzeichnis" oder "Ansprechpartner". Und wenn ihr gar an futuristische Geschichten wie "Online-Portale" glaubt... Merkel hatte Recht, Internet ist tatsächlich Neuland. Allerdings nicht in Deutschland sondern in der Uni-Verwaltung in Nanterre. Da muss man tatsächlich zu allen Fakultäten hinlaufen um darauf zu bestehen dass man tatsächlich wirklich und unbedingt jetzt die Zeiten für die Kurse xy oder zumindest für alle Kurse des Jahrganges bekommt. Sinn des ganzen: Nachdem man seine Kurse gefunden hat muss man sich auch noch einschreiben - für jeden Kurs einzelnd. Und natürlich findet das irgendwo - aber auf jeden Fall irgendwo anders als man gerade ist - statt. Dass man seinen Stundenplan zwar braucht um Anfang dieser Woche die obligatorischen aber später nicht mehr wechselbaren Sprachkurse im Französischen zu wählen (mal wieder eine Wahl Zwinkernd) ist in den normalen Fakultäten wenn überhaupt am Rande bekannt.

Und dann ist am Freitag ein Wunder geschehen. In der Fakultät für LEA haben wir tatsächlich mehrere Zeitpläne und (tatatataaaaaa) ein Einschreibungsdokument NUR, ich wiederhole NUR für uns neun IKEAS/LEAs aus Halle bekommen. Damit gibt es also einen provisorischen Stundenplan auf dem "nur" noch die Kurse der juristischen Fakultät fehlen. Wie ich schon mehrmals in die hämisch lachende Sonne rief: Wenn diese Kurswahlgeschichte erledigt ist, dann gibt es eine grooooße Party. Bien sur. Und allein dafür hätten wir alle dann einen weiteren Uniabschluss verdient. Bachelor in Administration besiegen für Fortgeschrittene. Oder so.

Morgen geht es wieder in den (Wahl-)Kampf, es lebe die absolute Mehrheit mit Klartext - zumindest beim Stundenplan.

Vive la burocracie en allemange!

22Sept
2013

Die ersten Tage, Sprachkurs, Paris

Schwuppdiwupp, da sind fast schon zwei Wochen in Frankreich um. Eigentlich auch kein Wunder dass das so schnell geht, man hat fast keine Zeit mal kurz innezuhalten.

Nach einer recht ereignislosen Anreise (noch einmal vielen Dank an meine Eltern für die Hilfe beim Umzug Lachend) sind wir natürlich viel zu früh am Dienstag morgen auf dem Unigelände in Nanterre angekommen. Hat aber nichts genützt, denn die französische Administration geht ihre eigene Wege - FALSCH: Sie lässt ihre eigenen Wege gehen. Soll heißen dass man stundenlang über den Campus in fast jedes Gebäude geschickt wird um alles mögliche bescheinigen zu lassen und/oder zu beantrage. Und das obwohl man doch nur den Schlüssel zum Wohnheim möchte!

Um einmal die Dimensionen des Campus darzustellen: 30 Hektar Fläche, zweitgrößter Campus Frankreichs mit an die 40000 Studenten. Halle hat gerade mal halb so viele.

Das Wohnheim von außen

Als man dann tatsächlich vor den eigenen vier Wänden stand waren die ersten Kontakte mit anderen Studenten aus dem Ausland schon geknüpft.

Jaaa, mein Zimmer. Großer Nachteil: 4. Etage, kein Aufzug. Minibad. Gemeinschaftsküche alle 2 Etagen. Vorteile: Meine Küche ist nur 4 Türen weiter. Doch mehr Platz als gedacht. BALKON. Zugegeben, ein Minibalkon, aber mit Blick auf Garten und Bäume.

Der große Haken: Zuwenig Stauraum. Also bin ich mit mit Ana aus Spanien in ein französisches Möbelhaus gegangen und habe mir ein Regal gekauft. Ging schneller als man bei IKEA auch nur die erste Etage halb durchqueert hat. Und war günstiger sowie einfach aufzubauen dank aussagekräftiger Anleitung ;). Mein neues IKEA heißt conforama. 

Das Unigelände ist echt groß und hat so einige Grünflächen, z.B. vor dem riesigen Sportzentrum in der Mitte des Campus. Dort trifft man auch so machen die man mitten in der Hauptstadt nicht erwartet hätte. Wenn die Landesregierung wieder einmal Sparpläne vorlegt habe ich auch einen: Grünanlagenpflege durch SCHAFE. Kein Scherz, letztens standen welche zwei Tage auf der Wiese rum, samt Schäfer und Schäferhund.

Rasenmäähhher

Viel Zeit hatte ich in den letzten Tagen wirklich nicht, denn schon am Mittwoch begann der Intensivkurs in Französisch. Den gibt es in drei Niveaus und ich bin im mittleren, B1. Mittlerweile hat sich herausgestellt dass ich mindestens an der Grenze zum nächsten Niveau bin wenn nicht schon B2. Für das Semester selbst werde ich daher wechseln. Und natürlich gibt es die so sehnlich vermissten Hausaufgaben und ich weiß gar nicht mehr, wie ich ohne zu später Nacht aus den Fingern gesogene Texte überleben konnte ;). Langeweile kommt nicht auf. Und trotz gelegentlich für mich übermäßiger Widerholung macht der Kurs echt Spaß was auch an Ana liegt.

Schon beim Einzug hatte ich Ana (Spanien), Siah (Deutschland) und Olivia (Schweden) kennengelernt. Wir wohnen direkt nebeneinander und treffen auch in der Küche oft aufeinander. Umgangssprache ist ausschließlich französisch und mittlerweile läuft das echt flüssig (aber noch nicht mit den "echten" Franzosen ;) ) Zusammen haben wir auch schon Paris unsicher gemacht. Am ersten Freitag waren wir in einem Club der im unteren Teil der Opera Garnier zu finden ist. Modernes Design trifft Stuckdecke, j'aime Paris!

Der Club in der Opera Garnier

Am Wochenende waren zudem die Journées européennes du patrimoine 2013. Einmal im Jahr sind dann Gebäude offen, zu denen die Öffentlichkeit sonst keinen Zutritt hat. Wir haben uns die Université Paris I Sorbonne, den Senat im Jardin de Luxemburg, das Rathaus und die École Militaire angesehen. Es waren einmal marmorne Hörsäle, Politikerbüros im Schloss und ein Kindergarten in der ehemaligen Bürgermeisterwohnung. Das war sehr interessant, doch nach mehreren Ehrentreppen, Ehrenhöfen und vorallem Bibliotheken war man dann doch ganz froh, sich in ein Café setzen zu können. Der beste Cappucino meines Lebens, mit extra Schale Schlagsahne zum nachnehmen.Tja, bis man dann die Rechnung bekommt: 6 € kostet der Spaß. C'est Paris, c'est la vie!

Ein Hörsaal in der Sorbonne - leider nicht meine Uni Der Senat

Typisch für Paris ist auch die Metro mit ihren Schranken am Eingang der U-Bahn-Stationen. Und hier geht der Wahnsinn wieder los. Für das Studententicket brauche ich ein französisches Bankkonto, dafür eine Wohnbescheinigung. Und natürlich dauert es ewig bis das alles anläuft. Die kleinen Papiertickets können einen bis dahin in den Wahnsinn treiben, vorallem wenn die Schranken sie nicht akzeptieren. Zumindest habe ich jetzt eine provisorische Bahnkarte mit der ich schnell durchkomme. Ein kleiner Piep während die Touristen nebenan verzweifeln- da fühlt man sich schon fast wie eine Pariserin Cool.

Alles in allem habe ich mich schon sehr gut eingelebt, habe französisch ge- und englisch verlernt (Oui, we must aller là-bas pour, ähh, go there to take the metro...). Die Kopfschmerzen vom Sprachmix werden langsam weniger aber das Durcheinander bleibt wohl noch ein bisschen. Ich freue mich darauf wenn hier die Uni richtig losgeht und besonders auf das Ende des administrativen Wahnsinns.

Je vous embrasse!

À bientôt, Lena

21Sept
2013

Was mache ich hier blos?

Für alle die es noch nicht wissen oder sich auch nur nicht den Namen meines Studienganges merken können (also so ziemlich alle) folgt hier nochmal die Zusammenfassung. Zumindest die Abkürzungen sind relativ wichtig, da ich verständlicher Weise in Zukunt nicht jedes Mal alles ausschreiben kann:

Moi, Lena, je fais des études... interculturelles européennes et americaines ??? avec des études Langes Étrangères Appliquées!!! C'est un double diplôme... et très compliqué...

Ja, auch auf Französisch ist es immer wieder eine Herausforderung zu erklären was ich eigentlich in dieser Welt mache. Und mit dem Namen des Studienganges ist es leider nicht getan, meistens folgt dann eine Erklärung à la Englisch/Französisch/Internationales Recht. Das ist zwar einfacher, aber eben auch nicht richtig.

Also, ich studiere (am besten gleich mehrmal lesen Cool ) Interkulturelle Europa- und Amerikastudien/Langues étrangères appliquées. Und nein, ich konnte das am Anfang auch nicht auswendig. Im übrigen sprechen wir an der Uni von IKEAS/LEA, was kürzer ist aber oft noch mehr Fragen aufwirft. Nein, ich mache kein Duales Studium bei IKEA und bekomme daher auch keine Sonderkonditionen (was schon so mancher dachte).

Das Ganze ist ein binationaler Studiengang, soll heißen ich mache gleich zwei Abschlüsse gleichzeitig:

- Den deutschen Bachelor in Interkulturelle Europa- und Amerikastudien an der Martin-Luther-Universität Halle -Wittenberg

- Die französische License in Langues étrangères appliquées and der Université Paris Ouest Nanterre La Défense

Von den 3 Jahren Studienzeit bin ich dabei das 2. in Frankreich, also jetzt gerade.

Egal wo, wir neun IKEAS/LEA Studentinnen sind immer ein Sonder-Sonderfall. Der IKEAS-Studiengang in Halle, Einzelfall in Deutschland, hat insgesammt über 300 StudentInnen. Davon bildet unser binationaler Studiengang mit 9 Leuten in unserem Jahrgang den Spezialfall. LEA ist ein sehr bekannter Studiengang in Frankreich, fast an jeder Universität anzutreffen. An der Nanterre wurde er jedoch gegründet und da Nanterre generell schon eine sehr große Uni (40.000 Studenten) gibt es auch viele LEAs. Nun sind wir in F. erstmal ERASMUS-Studentinnen, mit Sprachkurs, extra Regelungen und eigentlich sehr viel Wahlfreiheit bei den Kursen. Aber als coursus integré wie es so schön heißt müssen wir IKEAS/LEAS genauso wie die normalen LEAs unsere vielen Pflichtkurse belegen und auch bestehen! Daher sind wir nicht ganz ERASMUS, nicht ganz französich und dass muss überall erstmal erklärt werden (macht ganz viel Spaß Zwinkernd).

Jetzt mal zu den Inhalten: Ich beschäftige mich mit der französischen und der angloamerikanischen Sprache und Kultur. Dabei liegt der Fokus auf letzterem, Literatur und Linguistik kommen nur am Rande und als Mittel zum Zweck vor. Dieser ist die Verbesserung der interkulturellen Verständigung und die Vermeidung von kulturell bedingten Missverständnissen etwas zwischen einem deutschen und einem französischen Mitarbeiter von Unternehmen, Regierung etc. Dazu kommt internationales Recht. Allerdings nicht Strafrecht was einem als erstes in den Sinn kommt, sondern Staatsrecht, Europarecht, Völkerrecht, Vertragsrecht.

Nach dem Studium folgt für mich wahrscheinlich ein Europa-bezogener Master. Und,wie man so schön sagt, danach steht einem die Welt offen.

Wer jetzt noch nicht genug hat, darf sich gerne durch die Internetseiten klicken:

http://www.romanistik.uni-halle.de/studienbereiche/kulturwissenschaft/binationaler_studiengang_ikeas-l/

Ich werde dann demnächst mal alles abfragen...

Nein, ich bin echt die einzige die das alles auswendig können muss. Wie gesagt, ich werde in Zukunft nur noch IKEAS und vor allem LEA schreiben.

Ich freue mich auf jeden Fall schon auf das Studienjahr hier in Paris, im Moment läuft nur der Sprachkurs für ausländische Studenten. Und die Einschreibung in die Kurse. Aber das ist ein anderes Thema. Ansonsten fühle ich mich hier schon sehr wohl.

Liebe Grüße nach Deutschland!

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